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Inklusion
Hintergrund des Inklusionsgedankens
Begriff und Thema Inklusion war in Deutschland lange weitestgehend unbekannt. Erst in den letzten Jahren verzeichnet der Begriff auch im deutschsprachigen Raum eine stetig zunehmende Verwendung. Dabei wird der Begriff in Abgrenzung zum Begriff Integration verwendet und konzeptionell ausgearbeitet (vgl. Hinz).
Der Begriff Inklusion entstand in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in Amerika und stand für das politische Engagement von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen für gesellschaftliche Teilhabe.
Inklusion im internationalen Kontext
Internationale Berücksichtigung findet der Begriff Inklusion in den 90er Jahren im Kontext Internationaler Bildungspolitik. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Schule, die eine Bildung für Alle ermöglichen soll. Als wegweisend wird hierfür die sogenannte Salamanca Erklärung von 1994 angesehen, die im Rahmen der UNESCO Konferenz " Pädagogik für besondere Bedürfnisse: Zugang und Qualität" abgegeben wurde. In dieser wird gefordert, dass alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten Zugang zu einer gemeinsamen Schule haben sollen. Alle Kinder sollen in der gemeinsamen Schule ihren Bedürfnissen entsprechend individuelle Förderungen und Unterstützung erhalten. Ziel ist eine Pädagogik der Vielfalt.
Ein weiteres internationales Dokument, das sich mit den Rechten von Menschen mit Behinderungen beschäftigt, ist das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, das die Vereinten Nationen am 13. Dezember 2006 beschlossen haben.
Was kann unter "Inklusion" verstanden werden?
Das Schaubild zeigt die Unterschiede der Begrifflichkeiten und der dahinterstehenden gesellschaftlichen und pädagogischen Praxis.
Exklusion/Ausschluss/Ausgrenzung:
In einer exklusiven Gesellschaft sind Menschen, die nicht einer bestimmten Norm entsprechen, ausgegrenzt.
Separation/Abtrennung:
Es existieren mindestens zwei verschiedene Gruppierungen. Eine Gruppe mit bestimmten Merkmalen und Eigenschaften grenzt sich von anderen Gruppen ab bzw. wird abgegrenzt.
Integration/Wiederherstellung des Ganzen:
Es wird versucht, die Trennung rückgängig zu machen. Es gibt nach wie vor jedoch eine Gruppe in der Gruppe; z.B. Menschen ohne Behinderung – Menschen mit Behinderung; Menschen mit Migrationshintergrund – Menschen ohne Migrationshintergrund.
Inklusion/Einbeziehung Aller:
Es ist normal verschieden zu sein. Alle Menschen bilden gleichberechtigt eine Gesellschaft.
Definitionsversuche von Inklusion:
Es gibt vielfältige Definitionsversuche von Inklusion. Gemeinsam ist diesen Definitionen, dass es beim Thema Inklusion um die Vielfalt der Menschen geht und diese Vielfalt – fernab eines Nivellierungs- und Homogenisierungszwanges – als normal anzusehen ist. Somit geht es um Menschen in ihrer Differenz, ihrer Einzigartigkeit bei gleichzeitiger Verbundenheit – und diesen mit Blick auf ihre Herkunft, ihrer sexuellen Identität, ihrer kognitiv-intellektuellen Fähigkeiten, ihrem Geschlecht, ihrer Religiosität gerecht zu werden und wertzuschätzen und als dazugehöriger Bestandteil einer Gesellschaft anzusehen. Wichtig ist, dass Begriff und Theorie der Inklusion immer auch ein politisches und gesellschaftliches Moment hat. Schließlich geht es um Autonomie, Abbau von Ungleichheiten, Teilhabe und solidarisches bzw. soziales Handeln.
Inklusion auf Bundesebene:
Die Bundesrepublik Deutschland war bereits 1994 bei der Erklärung von Salamanca involviert. Am 26.03.2009 trat das "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen" der Vereinten Nationen in Deutschland in Kraft. In diesem Übereinkommen wird die Wahrnehmung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch Menschen mit Behinderung, deren Förderung, Schutz und deren Gewährleistung zum Ziel politischen Handelns bestimmt. Hier finden Sie die dazugehörige Pressemitteilung des Beauftragten der Bundesregierung.
Schon sehr früh wurde jedoch von verschiedenen Seiten Kritik an der Übersetzung des in englisch verfassten Übereinkommens laut. Während in der englischen Fassung – deutsch ist keine Amtssprache – durchgängig der Begriff "Inclusion" verwendet wird, wird in der deutschen Fassung Inklusion mit Integration übersetzt. Aus diesem Grund gibt es noch eine sogenannte Schattenübersetzung, die versucht, die im Englischen verwendeten Begrifflichkeiten sinngemäß zu übersetzen und damit die Öffentlichkeit für das Thema Inklusion zu sensibilisieren und daraus politische Forderungen zu formulieren.
Inklusion auf Länderebene:
Aus theoretischen Überlegungen geht hervor, dass Inklusion nicht mit Integration gleichgesetzt werden kann und darf (vgl.Hinz). Inklusion umfasst weit mehr, erfordert ein neues Denken und die ständige Reflexion gesellschaftlicher und pädagogischer Praxis. Gegenwärtig liegt der Schwerpunkt der Inklusionsforschung auf der Schule. Im schulischen Bereich mündet die Idee in der politischen Forderung nach Abbau des Förderschulsystems, einer Kultur und Praxis von Inklusion (vgl. Hinz) sowie einer Reflexion und Überwindung gängiger Ausgrenzungsmechanismen im organisatorischen, pädagogischen und kulturellen Bereich. Da das Schulsystem Ländersache ist, können zum gegenwärtigen Stand je nach Bundesland unterschiedliche Entwicklungen konstatiert werden. Einen Überblick über die Situation in den Bundesländern bietet der Bildungsbarometer Inklusion des Sozialverbandes Deutschland.
Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist Inklusion zwar Thema, die wissenschaftliche Begleitung und Ausarbeitung eines inklusiven Konzeptes ist jedoch noch nicht gegeben. Zwar gibt es Ansätze, den für die Schule entwickelten Index für Inklusion auf die Kinder- und Jugendhilfe zu übertragen (vgl. Dannenbeck; im Speziellen für die Offene Behindertenarbeit siehe Kornherr), doch weitestgehend bleibt dieser Bereich Praktikern vorbehalten, die versuchen, sich mit dem Konzept der Inklusion auseinanderzusetzen, ihre eigene Organisation und ihre pädagogosche Praxis zu hinterfragen und daraus inklusive Konsequenzen zu ziehen.
Inklusion in München:
An dieser Stelle möchten wir Ihnen ein paar Informationen zu Arbeitskreisen und Institutionen geben, die sich mit dem Thema Inklusion beschäftigen. Außerdem sind hier weiterführende Links zu Publikationen rund um die Thematik Inklusion in der Landeshauptstadt München aufgeführt. Bei dieser Aufzählung muss angemerkt werden, dass es sich bei diesen Einrichtungen vorwiegend um Institutionen handelt, die entweder die Interessen von Menschen mit Behinderungen vertreten oder in ihrer pädagogischen Arbeit mit Menschen mit Behinderungen zu tun haben. Dies birgt die Gefahr, Inklusion "lediglich" auf Menschen mit Behinderung(en) zu beziehen.
Als Interessensvertretung für Menschen mit Behinderungen und als Beratungsorgan der Landeshauptstadt München ist vor allem der Behindertenbeirat der Landeshauptstadt München zu nennen. Auf dessen Homepage können Sie auch Informationen zu den einzelnen Facharbeitskreisen des Behindertenbeirates (z.B. Wohnen, Bildung und Freizeit, Tourismus und weitere) erhalten.
Für die Beratung und Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern der Landeshauptstadt steht ein Behindertenbeauftragter zur Verfügung.
Ein wichtiges Dokument im Bereich der Kinder und Jugendhilfe sind die vom Stadtjugendamt München im Jahr 2007 verabschiedeten "Leitlinien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung", die Sie hier in einfacher Sprache oder in elaborierter Sprache herunterladen können.
Darüber hinaus wurde im Jahr 2008 eine Fachstelle für die Querschnittsthemen Gender, Interkulturelle Öffnung, Behinderung und sexuelle Identität (GIBS) im Stadtjugendamt eingerichtet.
Netzwerk Inklusion:
Im Anschluss an die Verabschiedung oben genannter Leitlinien hat sich das Netzwerk Inklusion gebildet. Das Netzwerk Inklusion trifft sich alle sechs bis acht Wochen und versucht das Thema Inklusion auf die Praxis runterzubrechen. Daneben bieten die Netzwerktreffen Raum und Zeit, sich gegenseitig bei der Gestaltung und Verbesserung inklusiver Praxis gegenseitig zu unterstützen und inklusive Projekte zu initiieren.
Dem Netzwerk Inklusion sind bisher folgende Institutionen angeschlossen:
BIB e.V. -Verein zur Betreuung und Integration behinderter Kinder und Jugendlicher
Echo e.V mit Quax – Zentrum für Freizeit und kulturelle Bildung
Evangelische Jugend München
Fachstelle ebs – erleben – begegnen – solidarisieren, Kreisjugendring München -Stadt
Fachstelle GIBS des Stadtjugendamtes München
MOP – integrativer Jugendtreff
Spielratz e.V. – Verein für pädagogische Ferien – und Freizeitaktionen